Jobmotor und Drehscheibe mit Potenzial

Quelle: Zeitung: RP / 17.12.2015 / Ausgabe: D-BEZ / Ressort: AK-B / Seite: 31 / von Jürgen Grosche


Die Neuss-Düsseldorfer Häfen spielen in der regionalen Wirtschaft eine bedeutendere Rolle, als vielen bewusst ist.

Wer in Düsseldorf „in den Hafen“ geht, denkt meist an den Medienhafen mit den schicken Büros und Lokalitäten für Feierabend und Wochenende. Dabei spielt der klassische Industriehafen nach wie vor eine zentrale Rolle im regionalen Wirtschaftsgeschehen. Nach Angaben der Gesellschaft Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH), zu der im Verbund mit der RheinCargo (RC) die Häfen Neuss und Düsseldorf sowie eine Beteiligung am Hafen Krefeld gehören, sind zurzeit 40.000 Arbeitsplätze von diesen Häfen abhängig. Gemäß einem Gutachten des Beratungsunternehmens Planco erwirtschaften die Häfen für die drei Städte eine jährliche Wertschöpfung von knapp zwei Milliarden Euro. Bis zu zehn Prozent der städtischen Steuereinnahmen hängen vom jeweiligen Hafen ab.

Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. „Wir erwarten jedes Jahr ein Mengenwachstum im Containerverkehr zwischen drei und fünf Prozent“, sagt Rainer Schäfer, Geschäftsführer der NDH. Prognosen gehen für die nächsten 15 Jahre von einer möglichen Steigerung des jährlichen Containerumschlags in den Häfen der RheinCargo von derzeit 1,23 Millionen auf 1,75 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, also Standardcontainer) aus. Auch der Umschlag von Massen- und Stückgütern werde zulegen.

Könnten, würden – Problem: Die Häfen haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Und gegen Erweiterungspläne haben sich Widerstände formiert. Beispiel Düsseldorf-Reisholz: Er liegt günstig für die Düsseldorfer Wirtschaft, insbesondere für die Unternehmen im südlichen Industriegebiet, wie BASF, Henkel oder Terex. Der Kranbauer verschifft von Reisholz aus riesige Industriekräne. Oder Komatsu Mining. Der Hersteller von Baumaschinen ist ebenfalls auf den Hafen angewiesen. Reisholz ist zudem von Duisburg rheinaufwärts der einzige rechtsrheinische Hafen in der Region (Köln-Deutz wird auf absehbare Zeit geschlossen) und damit wichtig für viele Unternehmen im bergischen Raum mit Schwerpunkt Automobilzulieferung.

Damit der Reisholzer Hafen auch in Zukunft den Anforderungen genügt, müsse er weiterentwickelt werden, betont Schäfer. Besonders umstritten sind die Pläne für einen Container-Umschlagplatz. Kommt der nicht, wäre die Alternative ein weiterer, zunehmender Transport über Schiene und Straße – doch diese Verkehrswege sind überlastet. Schäfer ist davon überzeugt, dass die Hafenpläne doch noch Akzeptanz finden und umgesetzt werden können. Ansonsten wird die Chance einer Verkehrsverlagerung auf das Binnenschiff vertan.

„Schon jetzt könnten Binnenschiffe aus dem Stand 50 Prozent mehr transportieren“, sagt der Geschäftsführer. Dazu müsste aber die trimodale Logistik ausgebaut werden, also die Verbindung von Schiene, Straße und Wasser. Und dies ist nur über einen Ausbau der Container-Kapazitäten möglich. An den Hafengesellschaften soll es nicht liegen. „NDH und RC optimieren ihre Kapazitäten in einem fortlaufenden Erneuerungsprozess“, sagt Schäfer. In den vergangenen Jahren investierte die Gesellschaft 50 Millionen Euro in ihre Terminals, für ein neues Terminal im Bau wurden 15 Millionen Euro ausgegeben, und Partner und Kunden werden weitere 40 Millionen Euro in die Standorte investieren.


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