Fühlen uns gut aufgestellt

Quelle: Schiffahrt und Technik Ausgabe April 2012 / von Tim-Oliver Frische

Interview mit Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Neuss Düsseldorfer Häfen

Rainer Schäfer, Geschäftsführer der Neuss Düsseldorfer Häfen, über Hinterlandhubs als Dienstleister für die Seehäfen, die Wiedergeburt des Krefelder Hafens und die angestrebte Kooperation mit der HGK Köln. SUT-Korrespondent Tim-Oliver Frische sprach mit dem erfahrenen Logistikexperten.

SUT: Herr Schäfer, mit welchen Herausforderungen haben Sie als Dienstleister im Hinterlandverkehr im Zusammenspiel mit den Seehäfen zu kämpfen?

Schäfer: Die Herausforderungen der Zukunft defi nieren sich ganz wesentlich aus den Erwartungen, die die Seehäfen in die Zukunft setzen. Insbesondere unser großer Partner, der Hafen Rotterdam, hat hier sehr gute Vorarbeit geleistet und strebt bis zum Jahr 2025 eine Verdreifachung seiner Umschlagvolumina an. Das defi niert die Herausforderungen an den Hinterlandverkehr und die Hinterlandstandorte.

SUT: Die Qualität von Hinterlandverkehren steht und fällt mit dem vorhandenen Angebot an Supra- und Infrastruktur. Sind Sie mit dem vorherrschenden Angebot zufrieden?

Schäfer: Erstens Flächen, zweitens Flächen, drittens Flächen. Die Hinterlandstandorte haben ein Flächenproblem. Es fehlen ausreichende Flächen für das Umschlagen und Lagern der prognostizierten Mehrmengen. Aber auch die Infra- und Suprastruktur reicht nach heutigem Stand nicht aus, um eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Volumina eines Hafens Rotterdam aufnehmen zu können. Viertens, aber nicht weniger wichtig, sind die Zuwegungen in die Hafenstandorte. Ich meine damit nicht nur die Schienenverbindungen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ein System nur so stark ist, wie seine schwächste Stelle, d.h. wenn ich Infrastruktur in den Häfen aufbaue, muss ich auch die landseitigen Verbindungen optimieren. Dazu zählt die Straßenanbindung eines jeden Hafens. Andernfalls kommen wir mit den Mengen rein, aber nicht mehr raus.

SUT: An wen ist diese Situationsbeschreibung adressiert?

Schäfer: Sie ist insbesondere an Betreiber von Hafenanlagen adressiert, die mit dem Gedanken spielen, Flächen anderweitig zu nutzen, und das sind dann in der Regel nicht nur die betreibenden Unternehmen, sondern auch deren Gesellschafter. Wir dürfen, wenn wir den Zukunftsaufgaben gerecht werden wollen, keine weiteren Flächen anderer Nutzung zuführen. Im Gegenteil: Wir müssen weitere Flächen hinzugewinnen. Im Bereich der Neuss Düsseldorfer Häfen verfolgen wir zurzeit ein Projekt, das sich mit Logistikflächen im Umfeld der Häfen zwischen Köln und Krefeld befasst, die über Gleisanbindung verfügen. Daraus könnten sich Satellitenterminals auch außerhalb der Hafenstandorte rekrutieren.

SUT: Krefelder Hafen ist ein gutes Stichwort: Wie geht es denn dem Hafen?

Schäfer: Der Krefelder Hafen wächst und gedeiht. In den vergangenen drei Jahren haben wir es geschafft, die Transportmengen der Eisenbahn zu verdoppeln: Mehr als 1 Mio. t haben wir 2011 transportiert. Zudem liegen wir beim schiffsseitigen Umschlag bei aber hier sind, insbesondere durch die wechselnden Rhein- und Donau-Wasserstände, große Unsicherheiten entstanden. Und ein Produkt wie der gebrochene Verkehr bietet Sicherheit. Wir sind fl exibel genug, insbesondere wenn es um Containerverkehre geht, diese dann über die Gleisalternative abzuwickeln und später aufs Binnenschiff und Seeschiff umzuleiten. Das haben wir auch während der WALDHOF-Havarie an vielen Stellen bewiesen. Zudem nehmen wir vermehrt aus der Industrie wahr, dass solche alternativen Konzepte geprüft und in weiten Teilen auch umgesetzt werden.

SUT: Sie haben mit dem Duisburger Hafen einen großen Wettbewerber in unmittelbarer geografi scher Nähe. Bietet der Hinterlandverkehr genügend Warenströme für beide?

Schäfer: In der Range von Köln bis Duisburg sitzen die Neuss Düsseldorfer Häfen genau dazwischen. Das Aufkommen an Feederund Quellverkehren hat allen dreien erfreuliche Zuwächse in den zurückliegenden Jahren beschert. Wir glauben allerdings, dass wir den Zukunftsanforderungen für den hiesigen Standort nur durch eine Stärkung der Position in Kooperation mit den Kölner Kollegen gerecht werden können. Deswegen streben wir auch die Kooperation mit der HGK in Köln an und werden diese auch im Sommer umsetzen. Unsere geografi sche Lage in Nordrhein-Westfalen, im bevölkerungsreichsten Land Deutschlands, direkt am Rhein, in der noch immer größten Agglomeration der Industrie zwischen Köln und Duisburg, macht eine leistungsfähige Logistik sowie Hafeninfra- und -suprastruktur notwendig. Hier fühlen wir uns gut aufgestellt.

SUT: Herr Schäfer, herzlichen Dank für Ihre Auskünfte.


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