Binnenhäfen schließen Vernunftehe

17. Februar 2003

Die Neuss Düsseldorfer Häfen sind 2003 mit zwölf Millionen Tonnen Schiffs- und Bahnumschlagsleistung im Jahr nach Duisburg und Köln die Nummer drei unter den 100 deutschen Binnenhäfen.

Die Geburtswehen zogen sich über drei Jahre hin, doch im Februar 2003 war es geschafft: Der Rat der Stadt Neuss und der Aufsichtsrat der Stadtwerke Düsseldorf AG stellten mit ihren Beschlüssen die Weichen für die Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH & Co. KG. Die Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH verzeichnet Zuwäche in allen Bereichen.

Durch den "Brückenschlag" über den Rhein entstand der – bezogen auf seine Gesamtleistung – drittgrößte Binnenhafen Deutschlands. "Hochzeitspläne" für den Neusser und den Düsseldorfer Hafen waren bereits vor dem erstenWeltkrieg geschmiedet worden. Die Neusser waren interessiert an der Heerdter Werft, die 1909 durch Eingemeindung an Düsseldorf gefallen war. 1924 konkretisierten sich die Fusionspläne zwar, doch der Neusser Stadtratlehnte am Ende ein Zusammengehen ab. 1940 tauchten abermals Pläne für eine Hafenehe auf. Da sie jedoch mit einer Eingemeindung von Neuss nach Düsseldorf verbunden gewesen wären, stießen sie in der Quirinusstadt auf heftigen Widerstand. Gleiches galt auch für die Vorstöße im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975. Neuss verlor am Ende zwar den Status der Kreisfreiheit, behielt aber sein eigenes "Tor zur Welt".

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Konkurrenzdrucks im nationalen und internationalen Wettbewerb ging an einer Zusammenarbeit am Ende aber kein Weg vorbei. Der Neusser Bürgermeister Herbert Napp und Düsseldorfs OB Joachim Erwin brachten im Mai 2000 mit einer Absichtserklärung die Sache ins Rollen. Rückhalt erhielten sie durch ein Gutachten der Abteilung für Materialfluss und Logistik des Frauenhofer-Instituts, das die fast schon zwingende Notwendigkeit zur Kooperation bestätigte. Um sich im Verkehrsmarkt auf Dauer behaupten zu können, müssten Synergieeffekte genutzt werden.

So wurde es vielleicht keine Liebesheirat, aber eine überzeugte Vernunftehe, die im Sommer 2003 vollzogen wurde. Mit einem Gesamtvolumen aus Schiffs und Bahnumschlagsleistung von etwa zwölf Millionen Tonnen im Jahr 2003 ist der Neuss Düsseldorfer Hafen nach Duisburg und Köln nun die Nummer drei unter den 100 deutschen Binnenhäfen. Knapp sieben Monate nach dem offiziellen Zusammenschluss legte die neue Gesellschaft mit Sitz in Neuss ihre erste gemeinsame Bilanz vor. Und die ist überaus positiv: Zuwächse gab es in allen Bereichen, im Containerumschlag sogar ein Rekordergebnis (plus 44 Prozent).

"Die Strategie, die Marktposition der Häfen durch die Fusion zu stärken, geht auf, wir haben die gesteckten Ziele trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen deutlich übertroffen", kommentiert Rainer Schäfer,einer der beiden Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens. Einen besonderen Anteil an der guten Entwicklung schreibt er den zusätzlichen Möglichkeiten zu, die die Zusammenarbeit eröffnet habe: "Wir decken nun aus einer Hand die gesamte Bandbreite des Logistikgeschäfts ab. Das honoriert der Markt", ist Schäfer überzeugt. Dass man sich über Jahrhunderte einen Wettbewerb geliefert habe, sei kaum mehr nachzuvollziehen.

Vor allem die führende Position in der Automobillogistik will die Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Zum Beispiel von Ford werden die Neuwagen per Schiff nach Neuss transportiert. Vom Verteilzentrum am Hafenbecken V geht es dann auf dem Lkw oder Bahn zu den Händlern in der Region.

Aber auch der regionale und überregionale Eisenbahnverkehr soll gestärkt werden. Die Neusser Eisenbahn, die neben dem eigentlichen Hafenverkehr auch Streckengeschäfte auf dem Gleis der Deutschen Bahn AG abwickelt, erreichte mit rund vier Millionen Tonnen im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 6,6 Prozent. Und es soll noch mehr werden. Dazu ist der Ankauf der Industriebahn Zons-Nievenheim geplant.

Bei all dem soll allerdings das "klassische" Hafenumschlagsgeschäft nicht vernachlässigt werden, heißt es. Vor allem Nahrungs und Futtermittel, Steine und Erden, Fahrzeuge und Maschinen sowie Eisen und Stahl werden über den Neuss Düsseldorfer Hafen zugleich bis heute ein wichtiger Industriestandort umgeschlagen.

Während die fusionierte Hafengesellschaft die Zeichen auf Expansion setzt, laufen unter dem Stichwort "Wohnen und Arbeiten am Wasser" politische Diskussionen um die Umnutzung von Hafenflächen. In Düsseldorf gibt es Bestrebungen, neue Wohnbebauung zuzulassen. In Neuss ist ein "Masterplan" für die so genannte Revitalisierung des ehemaligen Case-Geländes beschlossen. Seit dem Weggang des Traktorenherstellers liegt an der Hafenmole 1 ein etwa 12,8 Hektar großes Areal ungenutzt. Hier soll ein modernes Büro-, Dienstleistungsund Gewerbezentrum entstehen. Skeptisch sehen dies vor allem die unmittelbaren industriellen Anlieger. Trotz des immer wieder postulierten Bestandsschutzes sind sie in Sorge, dass sie langfristig wegen Lärm- oder Geruchsbelästigung mit Klagen überzogen werden könnten.


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